Eine Welle, die Jena gut stehen würde

OTZ 27.05.2026

Thomas Beier

Kommentar Thomas Beier zum Prüfauftrag für ein Surfer-Paradies in Jena:

Politiker sind dafür bekannt, gern mal große Wellen zu machen. Bei Jürgen Häkanson-Hall von der Fraktion „Bürger für Jena“ hätten aber die wenigsten damit gerechnet: Er will Jena zum Surfer-Paradies machen. Seine Fraktion schlägt vor, an der Saale eine künstliche, stehende Welle als neues Sportangebot zu schaffen.

Im Ausschuss für Stadtentwicklung wartete Häkanson-Hall neulich vier Stunden, bis der Antrag endlich aufgerufen wurde. Fast schon die passende Vorbereitung aufs Wellenreiten: viel sitzen, Geduld haben und hoffen, am Ende nicht unterzugehen. Und tatsächlich: Jena könnte damit im Osten zum Vorreiter werden und Pluspunkte bei Menschen sammeln, die in die Stadt ziehen wollen. Junge Leute schauen genau hin, was eine Hochschulstadt außer Professoren noch zu bieten hat. Interessant sei auch die Stimmung drumherum; viele schauen zu und staunen.

Häkanson-Hall berichtete, früher selbst etwas im Wind gesurft zu haben. Das klang ein wenig nach der politischen Variante von: Früher war mehr Welle.

Stadtentwicklungschef Dirk Lange (parteilos) wirkte nach der langen Ausschusssitzung geradezu erleichtert, endlich bei etwas Praktischem angekommen zu sein. „Ich habe extreme Lust, das zu prüfen“, sagte er erfreut. Das klang deutlich netter als das Verwaltungs-Statement zu Zeiten seines Vorgängers Christian Gerlitz (SPD).

Natürlich ging es auch um Risiken. Doch Ausschusschef Guntram Wothly beendete die Debatte flott: „Bevor wir große Wellen machen, lieber sofort abstimmen!“ Der Prüfauftrag kommt in den Stadtrat. Wothly hatte vermutlich erkannt: Gegen manche Wellen hilft nur ein Surfbrett.