Kontroverse um Anfrage zum Krankenstand
Die OTZ berichtete über den Austausch zwischen Ulf Weißleder und Stefan Beyer zur Frage des Krankenstandes in der Stadtverwaltung.
Die im Artikel erwähnte Ursprungsmail können Sie hier vollständig nachlesen.
Guten Morgen Herr Beyer,
da Sie Ihre Anfrage nur schriftlich von der Stadtverwaltung beantwortet haben wollen, äußere ich mich per E-Mail dazu.
Ich bin über Ihre Anfrage etwas verwundert und gleichzeitig empört. Seit 35 Jahren arbeite ich bei einer gesetzlichen Krankenkasse und kenne mich mit den Themen bestens aus.
Dass es in den Verwaltungen ein höherer Krankenstand als in der Privatwirtschaft gibt, dürfte allgemein bekannt sein. Ich lese aus Ihrer Anfrage einen gewissen Unterton heraus, nach dem Motto "In der Verwaltung gibt es zu viele Krankmacher".
Grds. ist das BGM eine Möglichkeit, erkrankte Mitarbeiter aus dem Krankenstand, wieder in den Arbeitsprozess zurückzuführen und zu integrieren. Dazu gibt es schon seit Jahren die stufenweise Wiedereingliederung, auch Hamburger Modell genannt. Das sind alles gute und praktikable Maßnahmen. Das BGM ist m.W. für die Arbeitnehmer freiwillig und kann nicht vom Arbeitgeber erzwungen werden.
Ihre Anfrage bzw. Anregung einer Prämienzahlung an Mitarbeiter, die über einen längeren Zeitraum nicht erkrankt waren, wie am Beispiel der Kieler Verkehrsbetriebe, läuft vollkommen ins Leere. Wahrscheinlich haben Sie im Internet recherchiert und sind auf dem Beitrag des NDR vom 05.09.2024 oder den Artikel in den Kieler Nachrichten gestoßen.
Vielleicht sollten Sie sich vorab mit solchen sehr speziellen Themen tiefgründiger befassen.
Eine Prämie für Mitarbeiter zu schaffen, die in einem definierten Zeitraum nicht erkrankt waren, ist der vollkommen falsche Anreiz. Das führt u.U. dazu, dass Mitarbeiter bei einer Erkrankung nicht einen Arzt aufsuchen und somit möglicherweise ernsthafte Erkrankungen verschleppt werden. Zudem würden für die Ausschüttung von Prämien zusätzliche finanzielle Mittel benötigt und dafür dürfte die Stadtverwaltung in der aktuellen Haushaltslage kein Geld haben. Es dürfte für Sie nachvollziehbar sein, dass verschleppte Krankheiten zu deutlich höheren Krankheitskosten für die Krankenkassen führen und das belastet wiederum die Beitragszahler. Um das Thema Beitragsstabilität der Gesetzlichen Krankenversicherung, bzw. Senkung von Lohnnebenkosten für Arbeitgeber muss ich Ihnen aufgrund der finanziell angespannten Lage im Gesundheitswesen nichts erzählen. Vielmehr sollte das Thema Prävention in den Vordergrund gestellt werden, mit gezielten Maßnahmen können hier Krankheiten vermieden werden.
Im Übrigen hat das Wirtschaftsministerium von Schleswig-Holstein, den Vorstoß der Kieler Verkehrsbetriebe sehr kritisch bewertet und für andere Instrumente geworben.
Zudem darf ich Ihnen auch mitteilen, dass es im Öffentlichen Dienst und bei großen Arbeitgebern, sogenannte Karenztage gibt. In aller Regel sind das drei Tage, bei der der Arbeitnehmer, bei einer Arbeitsunfähigkeit keine AU-Meldung benötigt. Bei einem Missbrauch durch den Arbeitnehmer, kann der Arbeitgeber das aussetzen und bereits am ersten Tag der AU eine AU-Meldung eines Arztes fordern.
Ich finde solche Anfragen wie Ihre überflüssig. Sie binden unnötig Kapazitäten in der Verwaltung und das sind auch finanzielle Mittel die hier verschwendet werden.
Mit freundlichen Grüßen
Ulf Weißleder