Surf Welle für die Saale:
Stadt soll prüfen

Zur nächsten Stadtratssitzung bringen wir eine Beschlussvorlage ein, die die Prüfung einer stehenden Surf Welle in der Saale vorsieht. Dabei sollen mögliche Standorte, ökologische Rahmenbedingungen und die technische Machbarkeit untersucht werden.

Der Antrag soll klären, ob eine naturverträgliche, städtebaulich integrierte und wirtschaftlich sinnvolle Umsetzung einer solchen Surf Welle in Jena möglich ist.

Weitere Informationen finden Sie unter: sessionnet.owl-it.de

Die Beschlussvorlage im Wortlaut

Beschlussvorlage Fraktion BÜRGER FÜR JENA „Prüfung Errichtung SaaleWelle“ zur 20. Sitzung des Jenaer Stadtrates am 06.05.2026

Der Stadtrat beschließt:

001 Der Oberbürgermeister wird beauftragt, geeignete Standorte an der Saale hinsichtlich der grundsätzlichen Machbarkeit einer stehenden Welle zu prüfen. Die Prüfung hat unter Berücksichtigung wasserrechtlicher, naturschutzrechtlicher, ökologischer, sicherheitsrelevanter sowie städtebaulicher Aspekte zu erfolgen. Hierbei ist frühzeitig der Dialog mit den zuständigen Fachbehörden und Institutionen zu suchen. Dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt, Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist innerhalb des 3. Quartals 2026 eine Berichtsvorlage zu den untersuchten Standorten und der allgemeinen Machbarkeit der „SaaleWelle“ vorzulegen.

002 Bei festgestellter Eignung wird der Oberbürgermeister beauftragt, eine vertiefende Machbarkeitsstudie mit genehmigungsfähigem Entwurf – unter Einbindung externer Fachexpertise – zu veranlassen. Diese soll die technische Umsetzbarkeit, Investitions- und Folgekosten, mögliche Fördermittel, Betreiber- und Trägermodelle sowie ökologische Begleitmaßnahmen darstellen.

Begründung

Die schöne Natur von Jena wird maßgeblich durch die Saale geprägt.  Sie ist Erholungs-, Landschafts- und Lebensraum sowie identitätsstiftendes Element unserer Stadt. Gleichzeitig weist die Saale ein hohes Freizeit- und Erlebnispotenzial für die Einwohnenden und Besuchenden auf, welches aufgrund fehlender Möglichkeiten nicht für alle Menschen gleich erlebbar ist.

Eine stehende Welle ist eine Möglichkeit das Freizeit- und Erlebnispotenzial zu heben. Durch einen entsprechenden Einbau in den Flusslauf schafft das umströmende Wasser eine konstante Welle, die das Surfen auf der Stelle ermöglicht.

Eine stehende Welle vermittelt ein positives Lebensgefühl, steht sinnbildlich für einen weltoffenen Lifestyle und kann ein neuer sozialer, generationsübergreifender Treffpunkt an der Saale sein - entweder als Surfer / Surferin auf der Welle oder als begeisterte Zuschauende aus der Nähe und Ferne.

In zahlreichen Städten haben sich stehende Wellen im innerstädtischen Raum als besondere Anziehungs- und Identifikationspunkte etabliert. Prominente Beispiele sind die Flusswellen in München, Hannover und Nürnberg, die heute weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind und sogar internationale Surfer anziehen. Solche Orte machen Gewässer sichtbar und erlebbar, beleben öffentliche Räume und tragen zur positiven Wahrnehmung einer Stadt, auch überregional, bei.

Jena ist in vielerlei Hinsicht Vorreiter. Mit der Etablierung einer Flusswelle in der Saale – der „SaaleWelle“ wäre Jena auch die erste Stadt in den neuen Bundesländern die Wellenreiter direkt anspricht.

Für Jena kann die Prüfung der „SaaleWelle“ ein Baustein sein, das Gewässer stärker ins Stadtleben zu integrieren und die parallellaufende Entwicklung der SaalePromenade zu ergänzen - ausdrücklich unter der Maßgabe einer möglichst minimalinvasiven Umsetzung in der Saale. Eine behutsame und naturverträgliche Weiterentwicklung der „Stadt am Fluss“ bietet daher große Chancen für Lebens- und Aufenthaltsqualität.  

Ziel ist keine großflächige Umgestaltung des Flusses, sondern die sorgfältige Prüfung, ob an geeigneter Stelle eine technisch, ökologisch und wasserrechtlich vertretbare Lösung für eine stehende Welle möglich ist.

Neben der städtebaulichen und freizeitbezogenen Wirkung kann ein solches Projekt auch wirtschaftliche und touristische Impulse setzen. Erfahrungswerte aus anderen Städten zeigen, dass eine Flusswelle ein Ort ist, der über sein besonderes Freizeitangebot zusätzliche Besucher anzieht, Tagesgäste bindet und Anlässe für Veranstaltungen schaffen kann. Wettbewerbe, Sportevents oder begleitende Veranstaltungen wie im Sportentwicklungsplan beschrieben, erzeugen überregionale Aufmerksamkeit und wirken sich positiv auf Gastronomie, Einzelhandel und Übernachtungszahlen aus. Das Wasserwandern auf der Saale kann durch eine Querungshilfe ebenfalls erleichtert werden.

Für eine junge, dynamische Hochschulstadt wie Jena kann dies ein weiterer Baustein zur Stärkung des Stadtimages und der touristischen Entwicklung sein. In Gesprächen mit der Friedrich-Schiller-Universität wurde darüber hinaus bestätigt, dass eine stehende Welle aufgrund des Imagegewinns ein positiver Faktor bei der Ansprache von Studierenden darstellen kann.

Als Hochschul- und Sportstadt verfügt Jena zudem über ein hohes Nutzendenpotenzial. 73 % der Jenaer Bevölkerung sind sportlich aktiv (Sportentwicklungsplan 2024 /2025). Insbesondere im Umfeld der Sportwissenschaften sowie unter den zahlreichen sportlich aktiven Jenaern besteht bereits heute Interesse an einem solchen Angebot. Eine organisierte Einbindung – bis hin zu einer möglichen Vereinsstruktur – könnte eine kontinuierliche Nutzung, Betreuung und Mitverantwortung sicherstellen. Auch Synergien zu bereits bestehenden Kanu- und Kayaksportgruppen sind denkbar.

Die Saale ist ein sensibler Lebensraum mit wertvollen Uferbereichen, Brutplätzen und vielfältiger Artenwelt. Jede mögliche Umsetzung muss den Schutz von Flora und Fauna, die Durchgängigkeit für Fische sowie bestehende naturschutzrechtliche Vorgaben uneingeschränkt berücksichtigen. Eine Realisierung kann nur gemeinsam mit dem Umwelt- und Artenschutz erfolgen. Neue Flusswellen in Regensburg und Passau zeigen wie das funktionieren kann, z. B. als eine mögliche Fischtreppe.

Damit lassen Erfahrungen anderer Städte erkennen, dass sportliche Nutzung und Naturverantwortung miteinander verbunden werden können. Lokale Initiativen engagieren sich dort für Müllvermeidung, Schutz sensibler Bereiche, Informationsangebote zur Flussökologie und eine gezielte Besucherlenkung. Auch in Jena besteht hierfür ein gutes Fundament bürgerschaftlichen Engagements (z. B. SaalePutz). Eine solche Struktur könnte dazu beitragen, bestehende Belastungen am Saaleufer besser zu ordnen und das Bewusstsein für den Wert unserer Saaleaue zu stärken.

Ziel der Prüfung ist es daher, zu klären, ob und unter welchen Voraussetzungen eine stehende Welle als naturverträglicher, wirtschaftlich sinnvoller und städtebaulich integrierter Baustein einer behutsamen Weiterentwicklung der Saale in Jena umsetzbar ist.